Bausparen als Alternative zum Annuitätendarlehen

Bausparen als Alternative in Nürnberg & Mittelfranken

Zugegeben, ich bin kein Freund des Bausparens. Das mag auch an meinem beruflichen Werdegang in Hypothekenbanken liegen. Nüchtern betrachtet waren Annuitätendarlehen viele Jahre lang meistens der günstigere Weg für Verbraucher, eine Immobilie zu finanzieren wie auch häufig z.B. im Magazin Finanztest in vielen Vergleichstests bestätigt. Doch das Blatt hat sich dieses Jahr schlagartig gewendet und Bausparkombis sind mindestens eine Überlegung wert.

Wie funktioniert dieses Bausparen überhaupt?

Bausparen besteht für jeden Verbraucher bzw. Teilnehmer aus drei Phasen: der Ansparphase, der Zuteilung sowie der Darlehens- und Tilgungsphase. Zuerst ermittelt der künftige Immobilienfinanzierer, wie viel Geld er für sein Bauvorhaben benötigt. Das ergibt die sogenannte Bausparsumme. In Abhängigkeit von der Spardauer ermittelt man die erforderliche monatliche Sparrate. Bei Vertragsabschluss wird auch gleichzeitig der Zins für das spätere Bauspardarlehen festgelegt.

Bausparen: Die Anspar-Phase

In der Ansparphase zahlen Bausparer ihre monatlichen Sparraten in den großen Spartopf der Bausparkasse ein. Bevor man ein Bauspardarlehen in Anspruch nimmt, häuft man zunächst das vereinbarte Mindestguthaben an. Dieses beträgt je nach Vertrag / Bausparkasse (und hierbei gibt es große Unterschiede!) meist ca. 40 Prozent der Bausparsumme. Der Staat unterstützt seine Bürger bei der Vermögensbildung durch den Erwerb von Immobilien mittels staatlicher Förderungen von Bausparverträgen. Hierbei kommen die Wohn-Riester-Förderung, die Wohnungsbauprämie und die Arbeitnehmersparzulage in Frage. Auch vermögenswirksame Leistungen können in einen Bausparer eingezahlt werden.

Bausparen: Die Zuteilung

Das sogenannte Mindestguthaben ist zwingend anzusparen, bevor das Darlehen ausgezahlt wird. Je nach Tarif / Bausparkasse werden auch eine Mindestspardauer oder eine Mindestvertragslaufzeit vereinbart. Um eine faire und gleichmäßige Auszahlungsreihenfolge der Darlehen unter allen Bausparern zu gewährleisten, gibt es die sogenannte Bewertungszahl. Diese Zahl wird aus drei Werten ermittelt: Der monatlichen Sparrate, den angefallenen Zinsen und der Vertragslaufzeit. Wenn viele Bauwillige gleichzeitig ihre Kredite abrufen wollen, erhält zuerst der Bausparer mit der höchsten Bewertungszahl die Zuteilung für seine Bausparsumme.

Bausparen: Die Darlehens- und Tilgungsphase

Nach der erfolgreichen Zuteilung können Bausparer über die gesamte Bausparsumme verfügen, also über das gesparte Guthaben inklusive der angefallenen Zinsen, die Fördergelder und das Bauspardarlehen. Dieses Kapital kann der Bausparer nun einsetzen, um Wohneigentum zu bauen, zu kaufen oder zu modernisieren. Die Darlehensphase kann der Bausparer jederzeit und kostenfrei durch Sondertilgungen verkürzen. Mit der Darlehensphase beginnt auch gleichzeitig die Tilgung des Bauspardarlehens. Dieses Geld fließt zurück in den Bauspartopf und ermöglicht anderen Bausparern, ihren Immobilienwunsch zu realisieren.

Eine Abkürzung führt Bausparer schneller ans Ziel: Vor und Zwischenfinanzierungen

In der Regel zahlen Bausparer sieben bis neun Jahre (oder auch länger) in den Vertrag ein, bevor sie das Darlehen in Anspruch nehmen dürfen. Was aber, wenn man HEUTE seine Wunschimmobilie gefunden hat? Mit einem Vor- oder Zwischenfinanzierungskredit erhalten Bausparer sofort Baugeld. Dieser Sofort-Kredit besteht aus einem Bausparvertrag und einem tilgungsfreien Vorausdarlehen. Sobald die Bausparsumme aus dem Vertrag zugeteilt wird, löst sie das Vorausdarlehen ab. Das Ganze funktioniert auch, wenn man noch gar keinen Bausparvertrag hat und diesen neu abschließt.

Lohnt sich Bausparen?

Bis Ende letzten Jahres rechnete sich Bausparen nur für bestimmte Konstellationen, da lange Zinsbindungen der Versicherer und Hypothekenbanken teilweise deutlich günstiger waren als nahezu jede Bausparlösung. Das Blatt hat sich im Frühjahr 2022 jedoch gewendet. Mit einem Bausparvertrag kann ich mir heute deutlich niedrigere Zinsen für einen langen Zinsraum sichern als bei Annuitätendarlehen. Allerdings muss man vermutlich schnell sein, denn es ist zu erwarten, dass die Bausparkassen ihre Zinsen für Bauspardarlehen demnächst ebenfalls erhöhen.
Fazit: ja, Bausparen kann aktuell durchaus eine sehr gute Lösung sein, um eine Immobilie zu finanzieren.

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Tags: Bausparen, Bausparvertrag, Vorausdarlehen, Zwischenfinanzierung

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