Ein Kollege hat vor einigen Wochen einen Artikel veröffentlicht, in dem er ein Umdenken der Deutschen fordert. Kernaussage: die Zeiten billigen Geldes, überdimensionierter Häuser und Grundstücke sind vorbei. Daher müssten „normalverdienende“ Verbraucher, die vom Eigenheim träumen, nun eben kleinere Brötchen backen, bescheidener agieren.

Da ich die von ihm beschriebenen Kindheitserlebnisse in Bezug auf sein Eigenheim aufgrund eigener, persönlicher Lebenserfahrungen vollauf nachvollziehen kann, teile ich seinen Appell. Und weil mich meine täglichen Beobachtungen in meinem Berufsalltag immer wieder an seinen Artikel erinnern, will ich ihn ergänzen & fortsetzen…

An den in 2022 unterm Strich stark gestiegenen Zinsen lässt sich nichts ändern. Doch wie kann ich dann heute noch zum Ziel Eigenheim kommen? Welche konkreten Möglichkeiten habe ich?

Kapital aufbauen, sparen, keine Konsumentenkredite

Für mich war es mit 14 Jahren normal, mir zum Taschengeld etwas dazu zu verdienen. Ich hatte bis Mitte 20 immer einen Nebenjob, also auch während Ausbildung, Studium, Beruf. Dieses Zubrot habe ich immer gespart für meinen Traum von der ersten eigenen Wohnung. Aber auch unabhängig von einem Nebenjob sollte jeder junge Mensch versuchen, monatlich mindestens 10% seines Einkommens auf die Seite zu legen. Wenn man dieses Geld schlau investiert, kann daraus in wenigen Jahren ein ausreichendes Startkapital für einen Immobilienerwerb werden. Umgekehrt war schon immer meine Maxime, keine Anschaffung auf Pump zu finanzieren. Ich habe mir nur gekauft, was ich mir auch leisten konnte. Egal ob es um ein Auto, Urlaub oder Möbel ging. Ich weiß, die tägliche Werbung suggeriert einen anderen als meinen spießigen Lebensstil. Ich bin jedoch überzeugt, dass das Konsum- und Kreditverhalten viele Mitbürger irgendwann finanziell ruiniert.

Kleiner, günstiger und clever bauen

Meine ersten 10 Lebensjahre haben wir zur Miete in verschiedenen Reihen- bzw. Einfamilienhäusern verbracht. Keines davon hatte mehr als 110qm Wohnfläche. Und wir waren auch zu viert. Für uns Kinder war das überhaupt kein Problem, es gab viel Wichtigeres als ein 3qm größeres Kinderzimmer. Um das Jahr 1990 haben meine Eltern mit Müh und Not einen Neubau (140qm!) gebaut & finanziert.  Natürlich waren die Kosten mit rund 550.000,- DM aus heutiger Sicht eher gering, das Zinsniveau von ca. 7% hat dieses Projekt aber genauso schwierig gemacht wie es heute für viele erscheint.

Was ich damit sagen will: aufgrund der veränderten Voraussetzungen (stark gestiegene Zinsen, hohe Baukosten, hohe Energiekosten) sollten Normalverdiener insbesondere an der Kostenschraube drehen.

Zehn konkrete Möglichkeiten:

  1. günstigere Baugrundstücke suchen – und ja, es gibt sie! Klar, nicht jeder lebt gerne ländlich aufgrund Infrastuktur, Arbeitswege, Kultur. Im Hinblick auf den qm-Preis gibt es in vielen Regionen jedoch erhebliches Sparpotential
  2. kleinere Baugrundstücke suchen – spart nicht nur beim Kauf bares Geld sondern auch bei der Gartenanlage und dem Unterhalt
  3. „Hinterhofbebauung“ prüfen – nicht selten haben Eltern/Verwandte auf dem Land großzügige Grundstücke. Gemeinden und Städte begrüßen nach meiner Beobachtung oftmals die innerörtliche Verdichtung statt neue Baugebiete zu erschließen
  4. Aufstockung bzw. Anbau an bestehende Gebäude prüfen – auch dies spart oftmals enorm viel Geld
  5. kleiner bauen – als Faustformel kann man durchaus mit 3.000/qm Sparpotential rechnen; natürlich gönnte man sich die letzten Jahre gerne etwas mehr. Aber macht das wirklich glücklicher? Außerdem ist es kein Fehler ans Alter zu denken: will ich später alleine / zu zweit auf 160qm leben? Die meisten Eigentümer wollen im Alter ja ungern ihr Haus verlassen und bleiben dann bis ins hohe Alter in überdimensionierten Immobilien…
  6. clever bauen: Nischen nutzen, Treppen unterbauen, Räume für verschiedene Zwecke nutzen, Aufteilung in zwei Wohneinheiten einplanen/vorbereiten… die Möglichkeiten sind enorm. Möglicherweise ist hierfür auch das Einbinden eines (Innen-)Architekten sinnvoll.
  7. kein Schickschnack: Extras kosten nunmal Geld – und der (optische) Mehrwert ist oftmals grenzwertig bis nicht vorhanden. Beispiele: Erker, Kniestockhöhe, Keller, farbige Fensterrahmen usw. – gerade bei Bemusterungen werden Bauherren oft dazu verleitet, Extras einzukaufen.
  8. Einliegerwohnung – bis in die 90er völlig normal: man baute 2-3 Familienhäuser oder zumindest eine kleine Einliegerwohnung mit ein. Die Mehrkosten sind vertretbar, die Miete finanziert das gesamte Bauprojekt mit, das Finanzamt ggfs. auch noch.
  9. gemeinsam bauen: statt ein Einfamilienhaus auf 600qm Grund zu bauen, warum sich nicht mit anderen Bauwilligen zusammentun und eine Doppelhaushälfte auf jeweils 300qm errichten? Wenn man sich hierbei dann noch auf eine Baufirma einigen kann, ist weiteres Sparpotential vorhanden
  10. selbst bauen / Eigenleistung: nicht jedem liegt das, aber wer handwerklich geschickt ist oder zumindest eine handwerklich talentierte Familie hat, kann durch Arbeitsleistung / Muskelhypothek einige Tausend Euro sparen. Man darf die körperliche und zeitliche Belastung allerdings nicht unterschätzen.

Diese Liste lässt sich sicherlich noch fortsetzen. Wer im Kopf flexibel ist, nicht an den Idealen der letzten Jahre (Stadtvilla, 2 Vollgeschosse usw.) festhält und eine vernünftige Kapitalausstattung mitbringt, der kann sich auch weiterhin seinen Traum vom eigenen Häuschen verwirklichen.

 

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